Kapitelreise ins Piemont vom 18.-21.06.2026

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Nachdem die Erste Badische Weinbruderschaft zu Meersburg bereits im Jahr 2008 das Piemont bereist hatte, führte die diesjährige Kapitelreise erneut in eine der bedeutendsten Weinregionen Europas. Kaum eine andere Weinlandschaft verbindet Tradition, landschaftliche Schönheit und große Weinkultur so eindrucksvoll wie das Piemont. Weltberühmt sind vor allem die großen Rotweine Barolo und Barbaresco, doch ebenso prägen traditionsreiche Familienweingüter, alte Rebsorten und die vielfältigen Landschaften der Langhe, des Roero und des Monferrato den besonderen Charakter dieser Region.

Trudi und Peter Eitze sowie Gerda und Rudi Held hatten ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die Vielfalt des piemontesischen Weinbaus ermöglichen sollte. Im Mittelpunkt standen nicht nur renommierte Weingüter und herausragende Weine, sondern auch die Begegnungen mit den Menschen hinter den Weinen, die regionale Küche und der persönliche Austausch mit den Winzerfamilien.

Bereits in den frühen Morgenstunden des Donnerstags traf sich die Reisegruppe am Parkplatz Reichenau und machte sich auf den Weg Richtung Italien. Wie gewohnt begann die Fahrt mit einem besonderen Ritual: Dem traditionellen Müller-Thurgau-Frühstück, das auch diesmal wieder von Renate und Resi mit viel Engagement vorbereitet worden war. Diese liebgewonnene Tradition begleitet die Kapitelreisen über viele Jahre hinweg und sorgt stets für einen geselligen Auftakt.

Nach dieser ersten Stärkung führte die Reise weiter ins Monferrato, genauer gesagt nach Nizza Monferrato, zum Weingut Marco Bonfante. Das Familienweingut zählt zu den bekannten Erzeugern des südlichen Piemont und bewirtschaftet Weinberge in verschiedenen bedeutenden Anbaugebieten der Region.

Mit großer Leidenschaft stellte die Winzerfamilie ihre Arbeit und ihre Philosophie vor. Dabei wurde deutlich, wie eng die Verbindung zwischen den traditionellen piemontesischen Rebsorten und einer sorgfältigen, qualitätsorientierten Weinbereitung ist. Im Mittelpunkt der anschließenden Verkostung standen insbesondere Barbera d’Asti und Nebbiolo, ergänzt durch weitere typische Vertreter der Region. Die Weine überzeugten mit klarer Frucht, Eleganz und einer ausgewogenen Struktur und vermittelten bereits zum Auftakt der Reise einen hervorragenden Eindruck von der Qualität und Vielfalt des piemontesischen Weinbaus.

Am Nachmittag bezog die Reisegruppe ihr Quartier im Albergo dell’Agenzia in Pollenzo. Das historische Gebäude der ehemaligen königlichen Landwirtschaftsakademie bot nicht nur eine besondere Atmosphäre, sondern auch einen idealen Ausgangspunkt für die kommenden Tage. Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel ließ die Gruppe die ersten Eindrücke des Tages Revue passieren. Die Vorfreude auf die bevorstehenden Besichtigungen und Verkostungen war deutlich spürbar, und zahlreiche Gespräche begleiteten den gemütlichen Ausklang des ersten Reisetages.

Der Freitag stand ganz im Zeichen des Barolo. Bereits die Fahrt durch die Hügel der Langhe vermittelte einen Eindruck von der außergewöhnlichen Kulturlandschaft, die seit 2014 zum UNESCO-Welterbe gehört. Weinberge, kleine Ortschaften und historische Bauwerke fügen sich hier zu einem einzigartigen Landschaftsbild zusammen – einer Region, deren Name weltweit mit Spitzenweinen verbunden ist.

Erstes Ziel des Tages war das Weingut Ettore Germano in Serralunga d’Alba. Das familiengeführte Gut genießt einen ausgezeichneten Ruf für seine charaktervollen und terroirgeprägten Barolo-Weine. Bei der Besichtigung erhielten die wir interessante Einblicke in die verschiedenen Weinberge und die Besonderheiten der einzelnen Lagen. Bei der anschließenden Verkostung zeigte sich eindrucksvoll, welchen Einfluss Herkunft, Boden und klimatische Bedingungen auf den Charakter eines Weines haben können. Die aus Nebbiolo gekelterten Barolo präsentierten sich kraftvoll und zugleich elegant, mit feinen Fruchtaromen, floralen Nuancen und einer Struktur, die ihr großes Reifepotenzial erkennen ließ.

Nach diesem ersten weinfachlichen Höhepunkt führte der Weg zum Mittagessen nach Novello. Bei „Mamma“ erwartete die Reisegruppe eine familiäre Atmosphäre und typische Spezialitäten der Langhe. Mit viel Herzlichkeit wurden wir empfangen und mit einem traumhaften traditionellen Mittagessen verwöhnt, das in mehreren Gängen die Vielfalt der regionalen Küche zeigte.

Am Nachmittag ging es weiter nach Barolo zum traditionsreichen Weingut Giacomo Borgogno e Figli. Das bereits im Jahr 1761 gegründete Haus gehört zu den ältesten und renommiertesten Weingütern der Region. Besonders beeindruckend war die konsequente Verbindung von Geschichte und Qualitätsanspruch, die den Charakter des Hauses bis heute prägt.

Große Holzfässer, lange Reifezeiten und eine klare Orientierung an der Tradition bestimmen den Stil von Borgogno. Die vorgestellten Barolo-Weine überzeugten mit Tiefe, Eleganz und außergewöhnlichem Lagerpotenzial und vermittelten eindrucksvoll, warum dieses Weingut seit Generationen einen festen Platz unter den großen Namen des Piemont besitzt.

Den Abschluss dieses erlebnisreichen Tages bildete das gemeinsame Abendessen in der Villa Tiboldi bei Canale. In stilvollem Ambiente wurden regionale Spezialitäten mit ausgewählten Weinen verbunden. Was für ein schöner Abschluss eines erlebnisreichen Tages: eine fantastische Location, ein traumhafter Ausblick und beste Stimmung.

Der dritte Reisetag führte die Gruppe in das Barbaresco-Gebiet und anschließend weiter in das Roero. Diese beiden Weinlandschaften zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig das Piemont ist und wie unterschiedlich sich die gleichen Rebsorten je nach Herkunft und Handschrift des Winzers entwickeln können. Zum Auftakt stand der Besuch der beiden benachbarten Weingüter Ca‘ Rome und Cortese auf dem Programm. Da beide Weingüter aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht die gesamte Reisegruppe gleichzeitig empfangen konnte, teilten wir uns in zwei Gruppen auf und besuchten die beiden Weingüter im Wechsel.

Eine Gruppe startete zunächst bei dem familiengeführten Weingut Ca‘ Rome, das sich seit den 1980er-Jahren als qualitätsorientierter Erzeuger einen ausgezeichneten Namen gemacht hat. Die Weinberge liegen in den besten Lagen rund um Barbaresco und Treiso, wo die Rebsorte Nebbiolo ideale Bedingungen vorfindet. Während der Verkostung wurde schnell deutlich, mit wie viel Leidenschaft und Sorgfalt hier gearbeitet wird. Die Weine überzeugten mit Eleganz, feiner Mineralität, präziser Frucht und einer bemerkenswerten Balance

Währenddessen besuchte die zweite Gruppe das benachbarte Weingut Cortese. Anschließend wurden die Gruppen getauscht, sodass alle Teilnehmenden beide Weingüter kennenlernen und die unterschiedlichen Philosophien sowie Weinstile erleben konnten. Das Weingut Cortese präsentierte sich als traditionsreicher Familienbetrieb, der seit vielen Jahren für seine sorgfältig ausgebauten Barbaresco-Weine bekannt ist. Die Verkostung zeigte eindrucksvoll die Vielschichtigkeit der Rebsorte Nebbiolo. Die Weine überzeugten durch ihre feine Struktur, Eleganz und Herkunftscharakteristik.

Der direkte Vergleich zwischen Ca‘ Rome und Cortese war besonders spannend, da beide Weingüter dieselbe große Rebsorte Nebbiolo auf unterschiedliche Weise interpretieren. Dabei wurde deutlich, welchen Einfluss die jeweiligen Weinberge, die Erfahrung der Winzerfamilien und die individuelle Stilistik auf das Ergebnis im Glas haben.

Im Anschluss führte der Weg weiter in das Roero zum traditionsreichen Weingut Angelo Negro. Das Familienunternehmen zählt zu den bedeutendsten Erzeugern der weißen Rebsorte Arneis und hat wesentlich dazu beigetragen, dieser heute wieder hoch geschätzten Sorte zu ihrer Bedeutung zurück zu verhelfen. Neben den frischen und aromatischen Roero Arneis standen auch charaktervolle Rotweine aus Nebbiolo auf dem Programm. Die Verkostung zeigte, dass das Roero längst weit mehr zu bieten hat als ausgezeichnete Weißweine. Die Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem eigenständigen Qualitätsgebiet entwickelt, das mit einer bemerkenswerten Vielfalt überzeugt.

Der festliche Höhepunkt des Tages und zugleich der Galaabend unserer Reise fand im traditionsreichen Restaurant „La Crota“ in Roddi statt. In dem besonderen Ambiente des Hauses erwartete die Reisegruppe ein genussvoller Abend mit piemontesischen Spezialitäten und ausgewählten Weinen. Für die richtige Stimmung sorgte Wilfried Klöck, der uns mit seinen musikalischen Einlagen bestens unterhielt und den Abend noch einmal ganz besonders machte. Vielen Dank dafür lieber Wilfried.

Am Sonntag wartete mit dem Besuch des Weinguts Malvirà in Canale d’Alba der letzte Programmpunkt der Reise. Seit mehreren Generationen widmet sich die Familie Damonte insbesondere den Rebsorten Arneis und Nebbiolo und zählt heute zu den führenden Erzeugern des Roero.

Beim Besuch von Malvirà wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Entwicklung des Roero anschaulich nähergebracht. Die Region, die lange Zeit etwas im Schatten der berühmteren Nachbarn Langhe und Barolo stand, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem anerkannten Qualitätsgebiet entwickelt. Die Familie Damonte hat zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen und gezeigt, welches Potenzial in den Böden und den traditionellen Rebsorten dieser Landschaft steckt.

Die anschließende Verkostung bildete einen gelungenen Abschluss der weinfachlichen Programmpunkte. Die präsentierten Arneis- und Roero-Weine spiegelten eindrucksvoll die Vielfalt dieser Region wider und zeigten einmal mehr, wie unterschiedlich sich die einzelnen Weinlandschaften des Piemont präsentieren können.

Nach einem gemeinsamen Mittagsimbiss im Weingut, hieß es schließlich Abschied nehmen. Mit vielen neuen Eindrücken, interessanten Begegnungen und natürlich auch einigen erworbenen Weinen im Gepäck trat die Reisegruppe die Heimfahrt an den Bodensee an.

Die Kapitelreise 2026 bestätigte eindrucksvoll den hervorragenden Ruf des Piemont als eine der bedeutendsten Weinregionen Europas. Die Gegenüberstellung der verschiedenen Gebiete Monferrato, Langhe und Roero vermittelte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein umfassendes Bild der Vielfalt dieser außergewöhnlichen Weinlandschaft.

Natürlich standen die weltbekannten Barolo- und Barbaresco-Weine im Mittelpunkt der Reise. Doch ebenso beeindruckend waren die Begegnungen mit den Menschen hinter den Weinen und die Entdeckung der vielen weiteren Facetten des Piemont. Die charaktervollen Barbera-, Dolcetto- und Arneis-Weine zeigten eindrucksvoll, dass die Region weit mehr zu bieten hat als ihre berühmten Aushängeschilder.

Ein besonderer Dank gilt auch Renate und Resi, die über viele Jahre hinweg mit ihrem traditionellen Müller-Thurgau-Frühstück einen festen Bestandteil der Kapitelreisen geprägt haben. Dieses gemeinsame Frühstück war für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein liebgewonnenes Ritual und ein besonderer Beginn zahlreicher Reisen. Dass diese Aufgabe nun in andere Hände übergeht, ist Anlass für einen herzlichen Dank für die vielen Jahre ihres Engagements.

Ein abschließender Dank gilt nochmals dem Organisationsteam. Mit großem Engagement, viel Erfahrung und einem sicheren Gespür für die Auswahl der Ziele haben sie eine Reise zusammengestellt, die allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Nun richtet sich der Blick bereits nach vorne: Wir freuen uns schon heute auf das nächste Ziel, wenn es im Jahr 2027 heißt:

Auf in die Pfalz – wir freuen uns drauf! Natalie Mohr